SonntagsZeitung Zürich, Ressort Wirtschaft:
Die Stiftung Ethos setzt auf nachhaltige Anlagen und ist auch für Private interessant.
Am vergangenen Dienstag war es wieder einmal so weit: Dominique Biedermann hat im Namen der von ihm geführten Ethos-Anlagestiftung auf der Novartis-Generalversammlung seine Stimme erhoben.
Mit ihrer Politik der aktiven Einmischung zählt die Ethos-Anlagestiftung zu den institutionellen Investoren, die ihre Aktien nicht als reine Geldanlage betrachten. Vor zehn Jahren wurde die Stiftung von zwei Genfer Pensionskassen gegründet, die auf diese Weise sowohl ihre Vermögensverwaltung wie auch ihre Stimmrechte bei Generalversammlungen bündeln wollten. Mittlerweile ist der Kreis der Mitglieder auf 75 Pensionskassen angewachsen, die ihr Geld teils in Form von Verwaltungsmandaten und teils durch Investments dem Ethos-Anlagefonds der Stiftung anvertrauen.
Leitmotive in der Vermögensverwaltung und der Stimmrechtsausübung sind sowohl Corporate Governance und Unternehmenstransparenz wie auch Aspekte der Nachhaltigkeit. So kooperiert die Stiftung eng mit Analysten, die auch für nachhaltige und grüne Anlagefonds arbeiten. Das spricht insbesondere Pensionskassen an, die ihre Finanzstrategie mit ethischen Kriterien aufwerten wollen. "Die meisten Ethos-Mitglieder kommen aus dem Bereich der öffentlichen und kirchlichen Pensionskassen", sagt Dominique Biedermann.
Allerdings ist es vor allem für kleinere Pensionskassen zeit- und kostenaufwändig, vor jeder Generalversammlung die Lage zu analysieren und somit das eigene Stimmverhalten abzuwägen. Hier setzt die Geschäftsidee von Ethos an: Pensionskassen und andere institutionelle Investoren können zu den 100 wichtigsten schweizerischen Unternehmen vor der Generalversammlung Analysen und Abstimmungsempfehlungen erhalten oder darüber hinaus Ethos ihre eigenen Stimmrechte übertragen. Damit gelingt es der Stiftung, ihren Mitspracherechten eine regelrechte Hebelwirkung zu verleihen. Zwar ist nur die Hälfte des Anlagevermögens von gut zwei Milliarden Franken in schweizerischen Aktien investiert. "Die Zahl unserer Stimmrechte kann jedoch den von uns selbst verwalteten Aktienanteil des betreffenden Unternehmens um das Zehnfache übersteigen", erläutert Biedermann.
Publikumswirksame Auftritte wie am Dienstag bei der Novartis-Generalversammlung sieht der Ethos-Chef jedoch eher als Ausnahme. Er mischt sich lieber ausserhalb der Generalversammlungen in die Unternehmenspolitik ein. Um sich dort Gehör zu verschaffen, hält Ethos auch Stimmrechte an Unternehmen, die den Kriterien einer nachhaltigen Aktienanlage nicht genügen. "Gerade dort gibt es aber das grösste Verbesserungspotenzial", begründet Dominique Biedermann diese Vorgehensweise. Erst wenn es in den diskreten Gesprächen kein Weiterkommen mehr gibt, wird der Weg ins Rampenlicht der Generalversammlung beschritten.
Während institutionelle Investoren zwischen verschiedenen Anlagemodellen wählen können, steht dem privaten Anleger nur über einen einzigen Anlagefonds die Tür zur Ethos-Anlagestiftung offen. Der Fonds "Pictet-Ethos Swiss Sustainable Equities" investiert in Aktien aus der Schweiz und lässt seine Stimmrechte über Ethos ausüben. Für dessen Anleger hat die aktive Einmischung bislang keine Nachteile gebracht: Die Fondsratingagentur Morningstar gibt dem Fonds für die in den vergangenen Jahren erzielte Rendite vier von fünf möglichen Sternen. In den vergangenen zwölf Monaten legte der Fonds um 22 Prozent zu, und auf Sicht von drei Jahren meldet der Ethos-Anlagefonds einen Wertzuwachs von insgesamt 67 Prozent - damit konnte der Fonds in beiden Vergleichszeiträumen den SPI-Aktienindex schlagen. Erfreulich für die Anleger ist, dass der Fonds mit einer Verwaltungskommission von 0,8 Prozent pro Jahr recht kostengünstig ist. Mit einem Volumen von 190 Millionen Franken spielt der Fonds im Ethos-Gesamtportfolio aber nur eine untergeordnete Rolle.
Thomas Hammer, Telefon 07041.862866
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